Amselfallbaude, Bastei und Schwedenlöcher

Amselfallbaude, Bastei und Schwedenlöcher

November 24, 2018 0 Von wanderanke

Die sächsische Schweiz: atemberaubend…

Rundwanderung - 10,5 km - 3 Stunden - Höhenmeter 450

Eine unter Vielen

Mindestens 191 Landstriche mit dem Namenszusatz „Schweiz“ gibt es – so will es zumindest der Schweizer Tourismus-Verband herausgefunden haben. Über 100 davon seien allein in Deutschland zu finden. Natürlich wissen wir nicht, ob diese Zahlen wirklich stimmen. Aber dass es ziemlich viele davon gibt, das haben wir auch schon bemerkt…

Mit Bergen haben diese „Schweizen“ oft gar nichts zu tun. So hat zum Beispiel Angela ihre Kindheit und Jugend in Flörsheim am Main verbracht, wo es die doch ziemlich flach gehaltene „Flörsheimer Schweiz“ gibt.

Anders jedoch im Elbsandsteingebirge. Im 18. Jahrhundert lebten und arbeiteten hier der Kunstmaler Adrian Zingg und sein Freund Anton Graff. Das Elbsandsteingebirge erinnerte sie an das Jura-Gebirge ihrer Heimat und so etablierte sich der Begriff „Sächsische Schweiz“.

Unser Start? Heute etwas holprig...

Geplant haben wir unsere Tour von Rathewalde aus. Dort wollen wir am Parkplatz Nr. 7 starten. Der liegt im Ort, direkt am Basteiweg. Wirklich leicht zu finden.

Die Parkgebühren für den ganzen Tag belaufen sich auf 4 Euro. Zahlbar nur in 1 oder 2 € Münzen. Was hatten wir nicht dabei? Richtig!

Anwohner wollten uns nicht wechseln. Mag sein, dass sie das sehr oft gefragt werden und einfach keine Lust mehr darauf haben. Etwas freundlicher hätten sie es uns dennoch sagen können…

Also fahren wir wieder los auf der Suche nach einem Bäcker, einer Tankstelle, einem Supermarkt oder ähnlichem. Nichts zu finden.

Auf einem anderen Wanderparkplatz finden wir nette Leute. Erstmal wird unser Schein in kleinere getauscht, die nächsten Wanderer wechseln uns in Münzen. Glück gehabt!

Dann aber nix wie zurück zu unserem Parkplatz. 4 € gezahlt, Ticket hinter die Scheibe, jetzt können wir los. Endlich!

Schluchtwald im Amselgrund mit Grünbach

Nach wenigen Metern bereits gabelt sich der Weg. Kurz vor der Gaststätte Lindengarten halten wir uns links in „Am Grünbach“. Wir haben gut gefrühstückt, Einkehr also erst heute Abend. Wir freuen uns schon drauf.

Schilder am Wegrand informieren uns darüber, dass wir hier auf einem Teil des Malerwegs laufen.

Und gleich zu Beginn sind wir erstaunt, wie wenig Bäume offensichtlich brauchen, um zu wachsen.

Kaum sind wir losgelaufen, fällt uns ein kleines Haus auf, das direkt auf die Felsen gebaut ist. Das sieht schon echt spektakulär aus. Wir vermuten jedoch, dass der Garten – zumindest hinter dem Haus – aus Topfpflanzen besteht.

Rathewalder Mühle

Und dann – nach ungefähr 500 m – erreichen wir die Rathewalder Mühle. Das ist nun schon wirklich klasse gelegen. Nicht vor, sondern in der Schlucht. Wirklich in einer ganz anderen Welt. Auch hier ein kleiner Biergarten.

Es handelt sich nach Angaben der Betreiber um die älteste Mühle der Sächsischen Schweiz. Während sie um 1900 herum durch ihr Kuchenangebot und dem „Kaffeeschank“ sehr bekannt gewesen sein soll, ist sie dann irgendwann mal aufgegeben worden (wer zu den Gründen was weiß, gerne in die Kommentare!). Und so sieht sie auch teils noch sehr verfallen aus. Drei Brüder haben diese Mühle übernommen und sind dabei, alles aufzubauen. So gibt es mitten in den Felsen eine kleine Ferienwohnung, die Jägerklause. Wir beschließen, dass wir irgendwann noch mal herkommen und unbedingt in dieser Klause übernachten wollen. Das Matratzenlager, das es auch noch gibt, ist dann doch nicht unser Ding. Aus dem Alter sind wir raus…

Wir unterhalten uns kurz mit einer netten Frau, die sich freut, als wir die Steinmännchen ihrer Töchter (oder war es nur eine?) fotografieren.

Sollen wir heute Abend vielleicht doch lieber hier essen?

Amselfallbaude am Amselgrund

An der Amselfallbaude ( ca. 1,5 km vom Start entfernt) befindet sich auch eine Infostelle des Nationalparks Sächsische Schweiz. 

Geöffnet ist sie von April bis Oktober, hat täglich von 10 – 16 Uhr geöffnet, von Mai – September verlängert bis 18 Uhr.

Untergebracht ist die Infostelle in einer historischen Bergbaude. Wer möchte, kann sich hier detailliert über die Nationalparkphilosophie informieren. Uns persönlich hat es nicht so ganz angesprochen. Es war heiß und stickig in dieser Hütte. Das lag zwar vermutlich eher am Wetter, denn an der Hütte, aber unangenehm war es halt trotzdem. Uns schien es auch eher für Kinder attraktiv zu sein. Aber reingucken solltet Ihr auf jeden Fall mal. Kostet ja nichts und wer weiß, vielleicht seid Ihr begeistert…

Ein paar Stufen runter ist dann die historische Gastwirtschaft „Amselfallbaude“. Der Amselfall ist links zu sehen. Hier fällt der Grünbach aus etwa 10 m Höhe in einem breiten Wasserschleier über das Amselloch – eine Einsturzhöhle. Die Trockenheit der letzten Monate hat aber auch dem Grünbach und somit auch dem Amselfall arg zugesetzt. Wir hatten vor unserer Wanderung ja schon eindrucksvolle Fotos gesehen. Also bei uns sah das dann so aus… Foto einfügen … Auch schön.

Interessant ist auch, dass der Amselfall steuerbar ist. So kann – vermutlich je nach Wassermenge – der Schwall unterschiedlich ausgerichtet werden. Und je schöner ein Wasserfall, desto attraktiver für Touristen. Gar nicht blöd, so was.

Da wir noch am Anfang unserer Wanderung sind und es auch noch früh am Tag ist, brauchen wir an der Amselfallbaude nur eines: Toiletten.

Die Benutzung kostet zwar etwas, die Toiletten sind aber echt in Ordnung.

Der Biergarten sieht nett aus, es gibt die üblichen Speisen mit regionalem Einschlag (z.B. Rostbrätel). Und wieder könnten wir uns vorstellen, unsere Einkehr nach der Wanderung an dieser Stelle zu machen. Mal abwarten…

Immer dem Bachlauf folgen

Wir verlassen die Amselfallbaude und folgen dem Grünbach bis dieser zum Amselsee aufgestaut ist.

Dort verlassen wir den Amselgrund und biegen nach links in den Höllgrund ein. Schlagartig sind wir fast alleine unterwegs. Weiter geht’s auf dem Pionierweg. Ungefähr bei km 3 unserer Tour verlassen wir diesen auch. Bislang wundern wir uns ja immer noch, warum komoot die Tour bei der Planung als „schwer“ eingestuft hat. Das sollte uns in den nächsten Kilometern klar werden…

Später erinnern wir uns unterschiedlich an den Einstieg in … Kerstin erinnert sich, dass dieser Weg mit „Begwanderweg“ ausgeschrieben war, während Angela glaubt sich zu erinnern, dass dort stand „Achtung: Kein Wanderweg. Zugang für Kletterer zu den Kletterfelsen“. Wie dem auch sei. Wir sind dort reingebogen.

Die „Kletterung“ beginnt. Das ist jetzt wirklich nach unserem Geschmack. Wurzeln, Felsen, Steine, steil. Wir müssen schon aufpassen, was wir machen. Hier gibt es kein Geländer mehr, aber Stufen sind ansatzweise schon in das Gelände gehauen. Allerdings auch zum Teil mit Moos überwuchert. Es sind eher Trittflächen, denn Stufen. Wir kommen echt ins Schwitzen. Und das liegt nicht an den Temperaturen. Wir vermuten, dass wir selbst bei Kälte hier uns unserer Jacken entledigen würden. Wir fühlen uns ein bisschen, wie echte Abenteurer. Es ist wunderschön und aufregend, hier zu klettern. Später sehen wir auf der Karte, dass wir auf 380 m Strecke 80 Höhenmeter hinter uns gebracht haben. Die Steigung betrug zwischen 22 und 27 % und deshalb  gibt’s auch keine Fotos von dieser Stelle. Denn recht schnell stellen wir fest: Hier zu fotografieren wäre zu gefährlich. Wir können uns nirgendwo gerade hinstellen. An den Weg gedrückt schaffen wir es immerhin, unsere Kameras in die Rucksäcke zu verstauen.

On the Top

Oben angekommen sind wir happy. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Wir sehen diesen Felsen mit Loch vor uns.

 Und als wir durch dieses Loch gehen, wird der Ausblick so schön, das raubt uns fast den Atem. Wunder-, wunderschön – klickt mal auf die Bilder… In Wirklichkeit war das alles noch viel schöner. 

Hier lassen wir uns kurz nieder, essen und trinken etwas. Dann genießen wir schweigend den Ausblick und lassen die Eindrücke auf uns wirken.

Hier oben liegt so viel Sand, das erinnert uns an die Ostsee. Vor allem, da der Felsen auch irgendwie aussieht, wie ein übergroßer „Hühnergott“

Ganz allein sind wir aber nicht. Ein junges Pärchen, so um die 35 Jahre alt, sitzt auch da oben und genießt die Aussicht. Sie ist schwanger. Respekt. Und die junge Frau wird uns gleich noch mehr beeindrucken…

Vor Ort haben wir gar nicht genau realisiert, auf welchem Felsen wir eigentlich „gelandet“ waren. Die Natur hat uns so beeindruckt, dass wir überhaupt nicht daran gedacht haben. 

Bei der Nachbearbeitung unserer Tour stellen wir fest: Es muss das Lamm gewesen sein. Seht Ihr ja auch in unserer Aufzeichnung bei komoot.

Ein halber Meter stoppt uns

Da oben ginge es eigentlich noch weiter. Mit einem kleinen Sprung könnten wir auf einen anderen Felsen kommen.  Aber hier kommt Angela an ihre Grenzen. Klar, der Spalt ist keine 50 cm breit. Locker wäre das zu überspringen. ABER: Es geht wahnsinnig tief runter. Ein Fehltritt und… Nix für Angela und ihre Höhenangst.

Wir betrachten uns diesen Spalt eine Weile, fotografieren ihn und dann – wir trauen unseren Augen kam – kommt das Pärchen von eben uns entgegen. Die junge, schwangere Frau springt leichtfüßig über den Abgrund, ihr Partner hinterher. Das ist nun echt cool.

Obwohl die beiden uns Mut machen, bleiben wir auf dem Lamm. Wir wollen uns ja nicht überschätzen und am Ende die Bergwacht bemühen müssen.

Der Abstieg

Der Abstieg hat uns mindestens genauso herausgefordert, wie der Aufstieg. Es gab immer mal wieder Stellen, die so schmal waren, dass wir es dann doch vorzogen, eine andere Strecke zu wählen…

Rudern oder Tretboot? Heute ohne uns

Und jetzt sind wir auch da – am Amselsee.

Hier treffen wir auf die vielen Menschen, die nicht wie wir in den Höllgrund eingebogen, sondern weiter dem Amselgrund folgten. Das sind nicht gerade wenige… Ein großer Kontrast zu der Einsamkeit, die wir noch vor wenigen Minuten spürten.

Am Amselsee sind auch viele Familien mit Kindern. Klar,ein tolles Ziel für einen Familienausflug. Auf diesem Stausee haben Kinder und Erwachsene sicher viel Spaß beim Rudern oder Tretboot fahren.

Und da der See nicht allzu groß ist, dauert die Umrundung gerade mal gut 20 Minuten. Das ist auch mit kleinen Kindern zu schaffen, ohne dass diesen gleich die Laune verhagelt.

Die Felsenbühne Rathen - wegen Aufführung geschlossen

Direkt hinter dem Amselsee geht es rechts weg zur Felsenbühne Rathen. Es handelt sich hier um eine große Naturbühne, auf der zumindest den Sommer über viele Aufführungen zu sehen sind. Angelegt wurde dieses Theater 1936 im Rahmen der Thingbewegung. Fast 2000 Plätze gibt es in diesem Freilufttheater. Wir können es leider nicht besichtigen, da auch heute eine Aufführung stattfindet. Naja. Nicht so schlimm. Wir wollen ja sowieso irgendwann nochmal hierher kommen.

Felsenburg Neurathen

Wir besichtigen die Ruine der mittelalterlichen Felsenburg Neurathen. Die eigentliche Burg ist nicht mehr da – die Aufbauten waren aus Holz und sind im Laufe der Zeit zerstört worden. Aber die aus dem Fels gehauenen Räume und Durchgänge sind nach wie vor gut zu erkennen. Auf Schautafeln sind Bilder zu sehen, die das fast schon Unvorstellbare zeigen: Eine richtige Burganlage hier oben auf den Felsen. Unglaublich, was die Menschen schon zu dieser Zeit gebaut haben. Uns hat der Aufstieg ja so schon viel Kraft gekostet. Dabei haben wir nur unseren Tagesrucksack getragen… Und die Stufen dürften zumindest in dieser Form auch relativ neu sein… 

Toller Blick von ganz oben

Verstehen können wir die mittelalterlichen Burgherren schon. Einen übersichtlicheren Platz gibt es hier vermutlich nicht. Zum Glück halten wir heute nicht mehr nach Feinden Ausschau, sondern versuchen den einen oder anderen Felsen zu erkennen.

Und wir entdecken Kletterer. Cool finden wir es ja – aber nix für uns…

Publikumsmagnet Basteibrücke

Fast 80 m lang ist sie, die Basteibrücke. Von der Felsenburg Neurathen gehen wir über diese Brücke zur Bastei. Diese ist nach Angaben des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz die berühmteste Felsformation und das beliebteste Ausflugsziel der Region. Dementsprechend ist es dort auch wieder sehr voll, noch etwas voller, als in der Burg.

Der Aussichtspunkt Bastei musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Messungen haben wohl ergeben, dass der Felsen nicht mehr fest ist und unter der Last von Menschen einbrechen könnte.

Aber auch von der Brücke aus ist die Sicht grandios und es gibt noch viele weitere Aussichten, die der Tourismusverband hier zusammengestellt hat.  

Der Blick von der Basteiaussicht ist aber gar nicht mal so schlecht. Auch wenn ihr wegen der Sperrung nicht mehr bis ganz nach vorne kommt: Die Aussicht ist immer noch toll. Ist ja nicht so, als stünde da eine Mauer. 

Durch die Schwedenlöcher

Bei den Schwedenlöchern handelt es sich um eine Schlucht. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts für den Tourismus erschlossen. An einigen Stellen verbreitert, mit Stufen, Treppen, kleinen Brücken versehen. So ist der Weg durch die Schlucht heute sehr gut gangbar. Und trotz der Treppen ist der Eindruck von Wildnis nicht verloren gegangen.

Zu ihrem Namen ist die Schlucht gekommen, weil die Bauern der Umgebung sich während des Dreißigjährigen Krieg hier in der unübersichtlichen Schlucht vor schwedischen Soldaten versteckten. 

Laut Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz sollen in der Hauptsaison bis zu 2000 Menschen pro Tag durch die Schwedenlöcher laufen. Da haben wir wohl Glück gehabt. Klar. Allein waren wir dort nicht. Aber es kam uns auch nicht vor, wie ein „Massenauflauf“. 

Ab hier gehts Treppab

Klicke auf das erste Bild und begleite uns durch die Schwedenlöcher…

...die letzen Stufen sind geschafft

Zurück zum Start

Am Ende der Schwedenlöcher sind wir wieder am Amselsee rausgekommen.

Wir merken, dass wir ganz schön kaputt sind. Hunger und Durst haben wir. Und hinsetzen würden wir uns gerne.

Also auf zu einer Einkehrmöglichkeit.

Nun laufen wir auf dem gleichen Weg wie heute Morgen, nur eben andersrum.

Amselfallbaude und Rathewalder Mühle fallen nun doch aus. Beide haben doch eher kleine Speisen im Angebot und nach diesem anstrengenden Tag steht uns der Sinn nach „etwas Richtigem“.

Und außerdem befürchten wir, dass wir nach einer gewissen Sitzzeit nicht nochmal in die Puschen kommen.

Also gehen wir bis fast zu unserem Ausgangspunkt zurück. Von hier aus sind es ja nur wenige Schritte bis zum Auto. Das sollten wir auf jeden Fall schaffen.

Einkehr im Lindengarten

 

Im kleinen Biergarten vor dem Haus haben wir sehr schön gesessen. Ein lauschiges Plätzchen so am frühen Abend.

Das Essen war wirklich lecker.  Reichlich, aber nicht zu viel. Können wir nur empfehlen.

Vor allem die Spezialität des Hauses solltet Ihr versuchen: Feldsteinpfanne. Sehr lecker!

 

Eure Wanderanke

  • Startpunkt: Basteiweg in Rathenwalde
  • Parken: Parkplatz P7 an der Gaststätte Lindengarten
  • Wegbeschaffenheit: Waldboden, Steine, Bergwanderwege, Treppen
  • Teilstrecken nur bei gutem Wetter möglich
  • Toiletten: Amselfallbaude und an der Bastei
  • Lindengarten
  • Amselfallblaude
  • Kiosk und Gaststätte an der Bastei
  • Hotel an der Bastei
  • souvenierladen und Kiosk am Parkplatz Bastei

und sonst noch…

Wenn Ihr tatsächlich alpine Erfahrung habt und entsprechendes Equipment, dann könnt Ihr da auch richtig klettern. Erkundigt euch vor Ort, was wo geht. Wir sind da raus 😉