Geierlay – Die Hängeseilbrücke im Hunsrück

Geierlay – Die Hängeseilbrücke im Hunsrück

November 3, 2018 0 Von wanderanke

Drum herum, unten durch, drüber weg – wir schaffen das!

Rundwanderung - 10,5 km - 3 Stunden – Höhenmeter 200

Kleines Dorf - große Attraktion

Mörsdorf. Staatlich anerkannter Erholungsort im Hunsrück. 600 Einwohner. Viel mehr gab es lange gar nicht zu sagen über Mörsdorf.

Bis zum 3. Oktober des Jahres 2015.

Seit diesem Tag haben sich über 750.000 Menschen (Stand: September 2018) auf den Weg nach Mörsdorf gemacht.

Ihr eigentliches Ziel? Die Geierlay. Hängeseilbrücke der Superlative: 100 m über Grund, 360 m lang, Adrenalin pur – das ganze Jahr über. Im Hunsrück, bei Mörsdorf.

Und genau da wollen wir heute hin.

Wir parken hinter dem Friedhof und laufen dann über die Lahrer Straße zurück zum Besucherzentrum. Hier wollen wir starten.

An der Ecke vor dem Informationszentrum steht eine kleine Kriegergedächtniskapelle. Wir gucken kurz rein, Lucky – DER Pudel wittert seine Chance. Rein in die Kapelle und an die Kerzen gesetzt. Der Hund weiß, wo es warm ist…

Service für Gäste

Im Besucherzentrum findet Ihr nette Damen, die Euch mit Informationen rund um die Geierlay versorgen.

Und klar, Ihr könnt auch Karten und allgemeinen Touri-Schnick-Schnack dort kaufen.

Das Wichtigste sind jedoch die Toiletten dort. Nutzt sie! Auf den Wanderwegen rund um die Geierlay gibt es Natur und Nervenkitzel. Aber KEINE weiteren Toiletten. Hier ist die letzte Gelegenheit.

Die Nutzung kostet 70 cent. Davon erhaltet Ihr 50 cent  als Wertbon zurück, den Ihr entweder hier im Besucherzentrum ausgeben könnt, oder aber auch im Ort bei den teilnehmenden Händlern.

Am Tag unseres Besuchs waren die Toiletten leider nicht so sauber, aber gerade noch okay.

Das „Geierlay-Restaurant“, das sich ebenfalls dort befindet, hatte geschlossen. 

Die Geister, die sie riefen…

Trotz des durchwachsenen Wetters sind wirklich viele Menschen in Mörsdorf, die sich auf den Weg zur Geierlay machen. Die meisten nutzen den direkten ausgeschilderten Weg. Das hat sogar heute was von Menschenkette. Wie mag das bloß während der Ferienzeit im Sommer aussehen?

Wir fragen uns, ob die Menschen hier im Ort mit diesem Zustrom gerechnet haben – und ob immer noch alle die Idee mit der Geierlay gut finden. Ein ruhiges Dorf ist Mörsdorf hier zumindest nicht mehr.

Als wir weitergehen, stellen wir fest, dass die Mörsdorfer tatsächlich schon „Gegenmaßnahmen“ ergriffen haben. Die Einfahrt in den Ortskern ist nur Anwohnern gestattet. Der Autoverkehr ist damit schon mal draußen.

Wir geben an dieser Stelle mal den „Geheimtipp“ der Mörsdorfer an Euch weiter: Gerade an schönen, sonnigen Sommertagen ist es auf den Parkplätzen zur Geierlay sehr voll. Parken kann man aber auch im Nachbarort Sosberg. Da ist es nicht so voll, bis zur Brücke sind es gut wanderbare 1,9 km und die Gebühren fürs Parken sollen moderat sein (den genauen Preis wissen wir allerdings nicht – wir waren ja in Mörsdorf).

Vom Besucherzentrum aus laufen wir die Kastelauner Straße entlang.

Linkerhand könntet Ihr – wenn Ihr nicht so wirklich Lust auf Wandern habt – den direkten Weg zur Geierlay nehmen…

Wollt Ihr Euch jedoch das Beste zum Schluss aufheben, dann geht es an dieser Stelle geradeaus weiter. Zu Fuß dürft Ihr auch in die Kirchstraße. Dieser folgt Ihr, auch wenn sie dann zur Unteren Kirchstraße wird.

Da geht es dann rechts rein in einen Feldweg.

14 Stationen

Nach wenigen Metern stehen wir im freien Feld. Der Wind pfeift nur so um uns herum, wir frieren trotz aller „Verpackungsmaßnahmen“. Wir hätten doch besser unsere Winterklamotten angezogen…

Der Weg übers Feld ist zum Glück nicht lang. Vielleicht 300 m oder so.

Kurz vor dem Wald laufen wir an einem Kreuzweg vorbei. Hier wird auf 14 Stationen der letzte Weg Jesu dargestellt. Dieser Weg wurde 1998 eingesegnet und eröffnet. Interessant dabei ist, dass die Kreuzwegstationen aus alten Grabsteinen des Mörsdorfer Friedhofs gemeißelt wurden [mehr dazu].

Von diesem Kreuzweg hatten wir vor unserer Wanderung gar nichts gehört. Er wird auch auf der Homepage der Geierlay und auf dem Überblick der Wanderwege nicht erwähnt. Schade eigentlich. Hier haben sich Menschen wirklich Mühe gemacht und so ab und an ein bisschen Besinnung kann ja auch nicht schaden…

Uns ist es zugegebenermaßen heute zu kalt, um uns die Steine richtig anzuschauen…

Zum Forster Kuppen

Bei km 1.3 seit Start, biegen wir endlich in den Wald ein, der uns wie ein weiterer schützender Mantel umgibt. Der Wind hat keine Chance mehr. Herrlich!

Endlich Wald

Wir folgen dem Weg Richtung „Forster Kuppen“. Es geht teilweise recht steil bergab (bis knapp 25% Gefälle). Wer Probleme mit den Knien hat, ist hier mit Wanderstöcken gut bedient. Am Forster Kuppen habt Ihr einen schönen Ausblick. Hier steht seit fast 100 Jahren ein Bergkreuz. 2015 wurde es letztmalig erneuert, diesmal ist es aus Douglasien-Holz.

Und weiter geht’s, am Kreuz vorbei dem Weg folgend nach unten. Der Weg ist schmal, und felsig, aber durch eine Haltekette gesichert. Gut zu schaffen. Uns hat es Spaß gemacht.

Die Aufzeichnung auf komoot ist leider wegen des vor Ort schlechten GPS-Signals nicht genau. Folgt einfach unserer Fährte, ohne die Wege zu verlassen. Dann seid Ihr richtig.

Immer dem Wasser nach

Bei km 2.0 seit Start unserer Tour haben wir den tiefsten Punkt erreicht (218 m ü. NHN).

Hier wenden wir uns nach links. Im idyllischen Mörsdorfer Bachtal angekommen, folgen wir dem Bach und überqueren ihn mehrfach auf kleinen Holzbrücken.

Wir haben uns hier mal an einer kleinen „Dia-Show“ versucht. Klickt auf das erste Bild und begleitet uns auf unserem Weg.

Bislang sind wir kaum Menschen begegnet. Ungefähr bei km 2.4 treffen wir auf den Wanderweg „Geierlayschleife“. Hier tauchen dann schon mal andere Leute auf, aber immer noch sehr wenige.

Umso mehr wundern wir uns, dass wir von überall her Stimmen hören. Auch Lucky – DER Pudel ist verwirrt. Hören ja, sehen nein. Was ist da los?

Wir sind in der Gemarkung „Geierlay“ angekommen, nach der die Hängeseilbrücke benannt ist. Jetzt sehen wir sie auch schon. Mit Menschen drauf. Sieht ganz schön hoch aus von hier unten… Und da wollen wir wirklich noch drauf?

Zumindest einer von uns wird ganz schön mulmig…

Unten durch...

Bei km 3 stehen wir ziemlich genau unter der Brücke. Es bleiben 5 km, um uns mental auf sie vorzubereiten.

Also laufen wir weiter durch das Tal, dem Mörsdorfer Bach entlang. Es ist eine schöne und abwechslungsreiche Strecke. Ab hier geht es leicht bergan.

Auf dem Saar-Hunsrück-Steig

Ca. bei km 3.6 biegen wir rechts auf den N 9 Saar-Hünsrück-Steig ein und folgen diesem.

Nach ca. 1,5 km erreichen wir den Rastplatz „Am Herzenauer Hannes“.

Hier fließen der Mastershausener und der Sosberger in den Mörsdorfer Bach.

Im Sommer mit Kindern bestimmt ein toller Ort zum Plantschen und Verweilen. Und auch Hunde können hier richtig Spaß haben.

Toller Service hier: Falls Tische und Bänke nass sind von Tau oder Regen, kriegt ihr sie ganz einfach trocken. Ein Abzieher hängt unter dem Tisch. Da hat wirklich jemand mitgedacht. Klasse!

Gibt es hier etwa... Wildschweine?

Eigentlich geht unser geplanter Weg rechts weiter Richtung Burgberg. Ein Hinweisschild am Rastplatz macht uns aber neugierig. Auf der anderen Seite des Baches sei nur 100 m ein neues Bachbett zu bestaunen, das nach dem Hochwasser 2011 erbaut worden sei. Wenn das schon so angepriesen wird… nichts wie hin!

Auf der anderen Seite finden wir aber nichts, außer einem Bach, viel Gestrüpp und dazwischen aufgewühlte Erde, die wir für Wildschweinspuren halten. Also das flößt uns doch schon Respekt ein. Sollten sich die Wildschweine das neue Bachbett etwa als ihr Refugium auserkoren haben? Wollten wir nicht ausprobieren. Vielleicht seid Ihr ja mutiger…

Schweigend zum Gipfel

Deshalb kehren wir gleich um und setzen unseren Weg wie geplant fort. Dass unsere Gespräche verstummen, kommt selten vor. Hier passiert es. Denn der Anstieg auf den Burgberg ist schon recht sportlich. Steil (>25%), teils felsig und schmal. Wir müssen schon gucken, wohin wir treten. Am Römischen Brunnen entnehmen wir einer Hinweistafel, dass wir uns hier auf dem „Masdascher Burgherrenweg“ befinden.

Bergfest auf dem Burgberg

Bei km 5.5 sind wir auf dem Burgberg (330 m ü. NHN) angekommen. Hier ist eine richtig schöne Schutzhütte aufgebaut.

Finden wir perfekt, denn hier haben wir ziemlich genau die Hälfte der Wanderung „geschafft“, der stärkste Anstieg der Tour liegt hinter uns, jetzt haben wir eine Pause redlich verdient.

Wir teilen uns Kerstins Brötchen (Danke schön nochmal!), trinken was und genießen die Aussicht.

Denkbar wären jetzt aber auch Nudelsalat, Würstchen, hartgekochte Eier oder was immer Ihr mitnehmen möchtet.

Was muss, das muss

Jetzt heißt es umkehren. Wir laufen also den gleichen Weg zurück. Wieder am Herzenauer Hannes vorbei, immer weiter, bis ihr dann bei km 6.5 in etwa den Saar-Hünsrück-Steig verlasst, indem Ihr Euch links haltet auf die Geierlayschleife. Auch hier geht’s bergauf, allerdings moderat.

Bei km 8 haben wir sie erreicht: Die Geierlay. Angelas Knie zittern etwas, aber es gibt kein Zurück. Da heißt es jetzt: Augen zu und durch!

Beim zweiten Anlauf klappt es dann. Die Augen immer auf Kerstins Rucksack gerichtet, Lucky an der Seite, Schritte zählen. Das hilft. Irgendwann sind wir drüben. Wir haben es geschafft. War doch gar nicht sooo schlimm…

Das müssen wir irgendwann noch einmal machen. Dann versuchen wir Stufe 2: Stehenbleiben auf der Brücke und die Aussicht genießen 😉.

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Ihr habt die Wahl

Auch nach der Überquerung der Hängeseilbrücke könnt Ihr Euch wieder entscheiden. Entweder nehmt Ihr den kurzen asphaltierten Weg nach Mörsdorf, oder Ihr begebt Euch auf den ausgeschilderten Wanderweg. Letzterer ist ganz klar unsere Empfehlung. Ein schöner Abschluss, der das Adrenalin in unseren Körpern langsam abbaut.

Einkehr im Backes

Am Ende kehren wir in dem kleinen Museumscafé ein, an dem wir zu Beginn unserer Tour vorbeigelaufen sind. Das ist richtig schnuckelig. Der Kamin ist an, altes Porzellan, Holzbalken. Gemütliche Atmosphäre. Die Bedienung erzählt uns, dass das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert stammt. Es wurde „Backes“ genannt und diente als Gemeinschaftsbackhaus. Aber auch Landstreicher, die sogenannten „Dibbeler“ durften in diesem Backes auf Strohbündeln übernachten und hatten es dann selbst im Winter schön warm.

Wir kommen uns heute auch ein bisschen vor wie „Dibbeler“. Wir finden hier Wärme, Kaffee, Kuchen und können uns von den Anstrengungen des Tages erholen.

Der Kuchen ist mit Sicherheit selbst gebacken. Er schmeckt köstlich. Dabei gibt’s Kaffee und Kuchen zu wirklich moderaten Preisen. Ein besseres Ende hätte diese Tour kaum haben können. Unbedingt empfehlenswert!

Unser Fazit

Eine wirklich tolle Tour. Wir würden auf jeden Fall die große Runde wieder wählen und die Hängeseilbrücke zum Schluss überqueren, weil es so schön war.

Wir kommen wieder, Geierlay!

Eure Wanderanke

  • Startpunkt: Besucherzentrum Mörsdorf
  • Parken: Das Parken ist kostenpflichtig, es gibt ein Parkleitsystem.
  • Für Hunde geeignet
  • Für Kinder geeignet