Hoherodskopf – Wanderung im Schnee

Hoherodskopf – Wanderung im Schnee

Januar 25, 2019 0 Von wanderanke

An diesem Wochenende passte endlich alles: Kalt und trocken, herrlicher Sonnenschein, Schnee im Vogelsberg und wir haben beide Zeit. Also los!

Rundwanderung - 8,5 km - 1 Stunde 40 - Höhenmeter 120

Winterlandschaft gesucht

Schon lange wollten wir mal eine richtige Winderwanderung machen. Doch leider kam uns immer wieder was dazwischen – oder es lag einfach kein Schnee. Selbst unsere Reise in den Schwarzwald war am Ende schneelos (aber schön war es trotzdem).

Heute sollte sich das ändern. In den Mittelgebirgen Hessens lag ja Schnee. Das wussten wir. Kerstin wollte schon lange wieder mal zum Hoherodskopf, also warum nicht heute.

Ein letzter Blick auf die Webcam: Weiß. Da fahren wir hin!

Weiß, glitzernd, strahlend schön

Voller Vorfreude machen wir uns auf den Weg. Wie viel Schnee wird da wohl wirklich liegen? 

Noch 10 km vor unserem Ziel können wir es fast nicht glauben. Hier sind nur ein paar Fissel Schnee auf Bäumen und am Straßenrand zusammengeklumpte schwarz überzogene Brocken. Also schön ist das nicht. Doch dann: der „Parkplatz an der Taufsteinhütte“ liegt auf etwa 700 m ü. NHN. Und es ist weiß. Richtig weiß. Die Sonne scheint auf den Schnee, alles funkelt. Wir sind schon jetzt begeistert. 

Klar, wir sehen auch viele andere Autos. Der Parkplatz ist brechend voll. Wir haben Glück und finden ein Stück weiter kurz vor der Jugendherberge den letzten freien Platz außerhalb des Halteverbots.

Wahrscheinlich ist es doch besser, sich an einem so tollen Tag einfach früher auf den Weg zu machen. Nur mal so, als Tipp für Euch…

Stilles Örtchen im Weinfass

Wir laufen zur Taufsteinhütte. Dabei kommen wir an einem „Summstein“ vorbei, der Teil des Sinnespfades ist, der hier kreuzt. Probiert es ruhig mal aus: Es ist unglaublich, wie laut das leiseste Summen in einem solchen Stein wahrgenommen wird.

Vorbei geht es an einer kleineren Gruppe von Weinfässern. Später erfahren wir, dass in diesen Fässern übernachtet werden kann.

An der Taufsteinhütte angekommen, interessieren uns dort jetzt vor allem die Toiletten. Im Wald bei der Kälte… muss ja nicht sein. Wir ergreifen also Präventionsmaßnahmen 😉

Die öffentlichen Toiletten sind hier ebenfalls im Stil eines Weinfasses gehalten. Ganz witzig, die Idee. Vor allem aber sind diese Toiletten kostenfrei, sauber und warm. Ein kleiner Heizlüfter sorgt dafür, dass es wirklich mollig ist in diesen Fässern.

Ihr könntet hier an der Taufsteinhütte aber auch noch eine Kleinigkeit essen oder trinken, bevor Ihr Euch auf die Tour macht

Gegen den Strom

Dann geht es los. Wir folgen dem Vogelsberger Höheweg, dessen Wegmarkierung ein grünes H ist. Dieser Rundweg beginnt auf dem Hoherrodskopf und führt über Taufstein – Geiselstein – Goldwiese – Landgrafenborn und Niddaquelle – über die Taufsteinhütte wieder zum Hoherrodskopf.

Wir gehen diesen Weg in entgegengesetzter Richtung und starten an der Taufsteinhütte. Der Einstieg ist wirklich leicht zu finden, hier braucht Ihr unsere Aufzeichnung bei komoot sicher gar nicht.

Durch das Hochmoor

Knapp 1 ½ km nach unserem Start überqueren wir die Nidda, die an dieser Stelle ein schmales Bächlein ist. Kaum zu glauben, dass aus diesem Rinnsal mal der Fluss wird, der 90 km weiter bei Frankfurt-Höchst in den Main fließt.

Rechts und links des Weges liegen die Flößer-, bzw. Forellenteiche. Unter dem Schnee sind sie kaum zu sehen und wir wundern uns etwas, dass keine Warnschilder vorhanden sind, die vor dem Betreten der Eisfläche warnen – so, wie das bei uns schon bei kleinsten Wasserflächen üblich ist.

Nach 2 km überqueren wir am Wanderparkplatz „Niddaquelle“ die Landstraße 3291. Rechts liegt das Hochmoor „Breungesheimer Heide“. Die typische Vegetation bleibt uns heute verborgen. Sie überwintert gerade unter einer leichten Schneedecke. Wie so oft auf einer unserer Touren denken wir, dass wir unbedingt einmal wiederkommen müssen, um die Landschaft zu einer anderen Jahreszeit zu sehen.

Wir wollen nicht vergessen zu erwähnen, dass es sich hier um ein Naturschutzgebiet handelt. Dies ist in Deutschland die stärkste Schutzkategorie für Flächen.

Verwirrspiel um die Niddaquelle

Bei km 2,5 zeigt uns eine Einfassung die Niddaquelle. So schön das aussieht: Die Quelle der Nidda ist das nicht. Diese befindet sich einige hundert Meter weiter bergauf und so ist das auch auf jeder Karte dargestellt.

Auch der „Landgrafenborn“ einige hundert Meter weiter wurde schon als Quelle der Nidda bezeichnet.

Da gab es in der Geschichte einen richtigen Streit drum. Wenn es Euch interessiert, könnt Ihr das hier nachlesen.

Bei km 3 folgen wir dem Weg nach rechts, queren kurz darauf nochmal ein Bächlein. Es ist – wen wundert’s – die Nidda. Kurz dahinter geht’s über den Ellersbach, der kurz hinter Lanzenhain von der „Alten Hasel“ abzweigt und hier im Naturschutzgebiet sein Ende findet: Er versickert im Hochmoor.

Auf den Grisselfels

Bei km 3.4 unserer Tour kommt der Hinweis auf einen Stichweg zum 200 m entfernten Geiselstein (auch Grisselfels genannt). Klar, dass wir da langlaufen. Und Ihr solltet Euch diese „Besteigung“ des Geiselsteins keinesfalls entgehen lassen.

Über bewachsene (und heute mit Schnee und Eis bedeckte) Basaltbrocken geht es nach oben. Für einen kurzen Moment fühlt es sich fast wie echtes Klettern an. Die Felsbrocken sind natürliche Kletterhilfen, es sind keine Stufen eingeschlagen. Ein Handlauf ist jedoch angebracht und wirklich hilfreich. Nach 20 m haben wir ihn „bezwungen“, den Geiselstein.

Gipfelglück mit Mispelchen

Hier gibt es zwar kein Gipfelkreuz und wir sind keinesfalls am höchsten Punkt unserer Tour angelangt. ABER: Wir sind etwa bei der Hälfte unserer Wanderung, also irgendwie auch Bergfest und für uns fühlt es sich so an. Deshalb holen wir hier unser „Mispelchen to go“ aus dem Rucksack und stoßen miteinander an.

Auch andere Wanderer kommen hier rauf und genießen – genau wie wir – die Stille, die schöne Aussicht und das „Gipfelgefühl“.

Wir werden auf unser „Mispelchen“ angesprochen. Upps, wie kann das denn sein? Ist diese Frankfurter Spezialität nicht weltweit bekannt?!?

Für alle, die nicht wissen, was das ist: Eine Mispel (Obst) wird in eine Apfelspirituose eingelegt. Diese trinken wir direkt aus dem Glas und und essen dann die Mispel. Geht aber auch anders rum oder in sämtlichen vorstellbaren Varianten. Hier könnt Ihr mehr dazu erfahren.

Zuerst haben wir ja ein bisschen Sorge, dass das Mispelchen uns vom Hocker hauen könnte. Vor allem, weil Angela noch nichts gefrühstückt hat. Aber weit gefehlt: Es schmeckt lecker, uns wird warm, wir bekommen Energie zum Weiterwandern. Äpfel sind halt sehr gesund. Offensichtlich auch, wenn wir sie in flüssiger Form zu uns nehmen.

Winterwandern macht glücklich

Wir klettern also wieder runter (wie gut, dass es einen Handlauf gibt!) und kehren auf den Vogelsberger Höhenweg zurück. Links geht es nun weiter.

Die nächsten zwei Kilometer geht es stetig, aber leicht bergan. Bei herrlichem Sonnenschein wandern wir auf den schneebedeckten Wegen. Es sind schon recht viele Menschen hier unterwegs, aber das war ja nicht anders zu erwarten an einem so schönen Tag, wie heute. Viele von ihnen habe Hunde dabei, oder sie ziehen ihre Kinder auf Schlitten hinter sich her. Das geht super, eben weil es nicht zu steil nach oben geht und die, die uns entgegenkommen, haben einen Heidenspaß, bei einer kleinen Abfahrt.

Auch die Ski-Langläufer finden ihren Platz. Am Rande der Wege sind Loipen gespurt.

Es ist ein schönes Miteinander hier. Freundlichkeit und allgemeine Rücksichtnahme fallen uns heute richtig auf. Das haben wir auch schon ganz anders erlebt.

Vielleicht geht es den anderen ja, wie uns: Wir sind froh hier zu sein. Dankbar, dass wir diesen schönen Tag erleben dürfen. Einer der Glücksmomente in unserem Leben.

Der unscheinbare Höchste

Unser nächstes Ziel ist der Taufstein. Bei km 6 unserer Tour haben wir ihn erreicht. Der Taufstein ist der höchste Gipfel im Vogelsberg (773 m ü NHN). Da die Umgebung des Taufsteins nicht wesentlich niedriger ist, fällt er nicht als imposanter Einzelberg auf und kann leicht „übersehen“ werden.

Das Gipfelgefühl stellt sich bei uns dementsprechend auch nicht ein. Gut, dass wir unser Mispelchen schon getrunken haben…

Vielleicht war das der Grund, dass bereits im Jahr 1920 der 22 m hohe Bismarckturm als Aussichtsturm hier oben auf den Taufstein gebaut wurde.

Bis nach oben geht es über eine Betontreppe, sowie zwei Wendeltreppen aus Stein und Metall. Insgesamt 101 Stufen.

Teilweise ist das Treppenhaus recht dunkel, aber der grandiose Ausblick lohnt sich wirklich. Bis in den Thüringer Wald, die Rhön und andere Mittelgebirge reicht die Sicht. Heute heißt es etwas aufpassen, denn die Aussichtsplattform ist ziemlich glatt. Kommt wohl keiner rauf zum Streuen. Also am besten rutschfeste Schuhe anziehen, oder Spikes unter die Sohlen machen.

Entspannter Endspurt

Auf dem Taufstein liegt auch das Naturschutzgebiet „Blockfelder am Taufstein“. Wir laufen heute dort nicht vorbei, denn diese interessanten Felder würden wir uns eher anschauen, wenn sie nicht schneebedeckt sind.

Direkt am Bismarckturm findet sich der „Bonifatiusborn“. Hier soll im 8. Jahrhundert der heilige Bonifatius gepredigt und auch getauft haben.

Die nächsten 600 m geht es ganz leicht bergab, bevor es dann wieder ebenso leicht bergauf geht. Wir erreichen den Hoherrodskopf.

Auf dem Erlebnisberg

Hier oben ist es dann vorbei mit Stille und Naturerlebnis.

Der Hoherodskopf macht seinem Namen als Erlebnisberg alle Ehre. Vor lauter Erlebnis sieht man den Berg kaum noch.

Hier wuselt es nur so vor lauter Menschen, die hier die Winterwelt vor der Haustür genießen wollen.

Uns stört das nicht, wir sind auch gern unter Menschen.

Wir hatten geplant, heute auch den Baumwipfelpfad zu besuchen. Leider hatte der geschlossen (das hätte sowohl vor Ort, als auch auf der Homepage ruhig etwas deutlicher kommuniziert werden dürfen).

Auch hier gibt’s wieder öffentliche Toiletten, so dass Ihr nicht unbedingt in eine Gaststätte müsst, wenn Ihr nicht sowieso was essen oder trinken wollt.

Seit 2011 findet jeweils am 4. Adventswochenende die „Romantische Bergweihnacht Hoherodskopf“ statt. Vielleicht schaffen wir es ja in diesem Jahr dorthin.

Kommt doch auch vorbei!

Das war's für heute

Am Ende der Tour kehren wir in die „Berghütte Hoherodskopfklause“ ein. Wir trinken da jede eine Tasse Kaffee, nach mehr ist uns nicht. Wenn Ihr das Flair einer typischen Ski-Hütte mögt, dann seid Ihr hier richtig. Alle anderen gucken sich besser nach einer anderen Lokalität um (sieh Info-Box).

Unser Fazit: Eine schöne Wanderung. Weiß, glitzernd, ruhig. Und drumherum pulsiert das Leben.

Eure Wanderanke

  • Startpunkt: Taufsteinhütte
  • Parken: Parkplatz an der Taufsteinhütte
  • Wegbeschaffenheit: Heute Schnee
  • Bei jedem Wetter möglich
  • Toiletten: An der Taufsteinhütte und auf dem Hoherodskopf
  • Für Hunde geeignet
  • Für Kinder geeignet

Und sonst noch …

im Sommer kann man auf dem Hoherodskopf auch jede Menge erleben, es gibt z.B
eine Sommerrodelbahn, ein Kletterwald, eine Adventure Minigolf Anlage, den Baumwipfelpfad …
schaut einfach mal rein Erlebnisberg Hoherodskopf