Ravennaschlucht mit Weihnachtsmarkt

Ravennaschlucht mit Weihnachtsmarkt

Dezember 16, 2018 0 Von wanderanke

Einfach nur schön…

Rundwanderung - 12 km - 2 Stunden 13 - Höhenmeter 310

Unsere heutige Wanderung starten wir in Hinterzarten, vom Gästehaus Ketterer aus, wo wir für das Wochenende untergekommen sind. Entsprechend haben wir auch die Aufzeichnung von dort aus begonnen.

Solltet Ihr vom Bahnhof oder einer anderen Unterkunft aus starten wollen, ist das auch gar kein Problem. Schaut einfach, dass Ihr zum Löffeltalweg kommt. Da geht es runter Richtung Ravennaschlucht. Ist ausgeschildert, oder Ihr lasst Euch von Eurem Smartphone dahin führen 😉.

Ein Bach, der viele Namen trägt

Mal rechts, mal links begleitet uns der Zartenbach. Lasst Euch nicht davon irritieren, dass er in den meisten Karten und online als Rotbach geführt wird. Hier in Hinterzarten heißt er „Zartenbach“ – zumindest glauben wir das und es klingt ja auch schöner. Schließlich liegt die Quelle im Hinterzartener Ortsteil Oberzarten oberhalb des Mathisleweihers. Hier gibt’s mehr Infos zu allen Merkwürdigkeiten rund um die Namensgebung.

Wir laufen in Fließrichtung des Wassers, immer den Löffeltalweg lang. Der kleine Bach macht für seine Größe schon ordentlich Getöse. Diese schöne Geräuschkulisse verdanken wir der Fließgeschwindigkeit des Wassers, der Enge des Bachbettes und den vielen, vielen Steinen, die das Wasser immer wieder umlenken.

Vorbei an der Kingenhofsäge

Nach einem guten Kilometer kommen wir an der Kingenhofsäge vorbei. Sie wird durch ein Wasserrad angetrieben und gehört deshalb zu den Wassermühlen. Auch wenn Sie – wie der Name schon sagt – nichts mahlt, sondern sägt. Erbaut wurde die Kingenhofsäge 1828 und ist heute noch funktionsfähig. Am Deutschen Mühlentag (immer an Pfingstmontag) könnt Ihr die „Mühlensäge“ in Aktion sehen – sofern es nicht zu trocken ist.

Wir erinnern uns noch gut an die Tage, an denen wir mit unseren Kindern hier waren. Sie waren absolut begeistert, dass dieser kleine Bach ein so großes Mühlrad samt Säge antreiben konnte.

Zum Höllsteig mit Kuckucksuhr

Weiter geht’s den Weg hinab. Das ist hier wirklich angenehm zu laufen. Das Gefälle liegt bei 5 bis maximal 10%, letzteres nur auf wenigen Metern. Nach gut 2 km gehen wir durch einen kleinen Tunnel unter der Bundesstraße durch, kommen auf der anderen Seite auf dem Höllsteig raus. Diesem Weg folgen wir und sind nach weiteren ca. 600 m bei der nunmehr „größten Kuckucksuhr des Hochschwarzwaldes“ angelangt. Als wir vor 10 Jahren da waren, wurde uns diese noch als größte Kuckucksuhr der Welt präsentiert. Deshalb findet ihr diese Uhr ja schon in unserem Kuckuckstreff.

Zur vollen Stunde sagt der Kuckuck, was die Uhr geschlagen hat und die beiden Schwarzwald-Pärchen geben eine Tanzeinlage. Versucht, hier möglichst früh oder spät zu sein. Es kommen auch viele Busse mit Touristen aus aller Welt hierher. Dann ist es kaum möglich, einen freien Blick auf die Uhr zu erhaschen.

Glasmanufaktur und mehr

Auch sonst hat sich hier ganz, ganz viel getan seit unserem letzten Besuch. Es sind neue Häuser gebaut worden, der Boden gepflastert, es wird noch weiter gebaut.

Wir gucken kurz rein in die verschiedenen Häuser. Naja. Hier ist es schon   s e h r   auf internationalen Tourismus angelegt. Trotzdem gibt es natürlich – vor allem in der Glasmanufaktur – einige wirklich schöne Dinge zu sehen und zu kaufen.

Das Hofgut Sternen ist ein 4-Sterne-Hotel, dort sollen schon Marie Antoinette (1770) und Goethe (1779) übernachtet haben. Das nach letzterem benannte Haus wirkt heute etwas verloren in diesem „Ensemble“ an touristischen Attraktionen.

Hinter dem Hofgut geht es nach rechts weiter.

Ravennabrücke, Galgenbühl und Krippenpfad

Hier konnten wir ihn dann schon sehen, den Weihnachtsmarkt. Die Aussteller waren mit letzten Arbeiten beschäftigt, schließlich sollte er in etwa einer Stunde eröffnen. Deshalb wollten sie uns auch erst nicht durchlassen. Aber wir sind ja nett und haben eine gewisse Überzeugungskraft…

Die Ravennabrücke ist immer wieder beeindruckend. Fast 40 m hoch und über 200 m lang. Sie ist Teil der Eisenbahnstrecke „Höllentalbahn“, die Freiburg im Breisgau mit Donaueschingen verbindet. Wir sind schon mal gespannt, wie sie heute Abend im Dunkeln aussehen wird.

Rechterhand liegt ein kleinerer Hügel: Der Galgenbühl. Hier wurden Hexen verbrannt und bis in die Mitte des 18. Jhd. Menschen hingerichtet.

Bevor wir dann in die Ravennaschlucht eintreten, kommen wir am Krippenpfad vorbei, der für diesen Weihnachtsmarkt aufgebaut ist und der uns auch jetzt schon, also ohne jegliche Beleuchtung, richtig gut gefällt.

Abenteuerliches Paradies im südlichen Schwarzwald

Namensgeber der Schlucht ist die Ravenna, ein kleiner Bach, der unweit seine Quelle hat und sich über Jahrtausende hinweg seinen Weg gesucht und so die Schlucht geschaffen hat.

Es gibt viele große Felsen, moosbewachsene Steine, große Bäume schützen vor Wind, im Sommer spenden sie Schatten. Der Bach zeigt sich wild. Tosend sucht er seinen Weg durch die Schlucht, es entstehen Kaskaden und Wasserfälle. Der größte hat immerhin eine Fallhöhe von 16 m.

Der Weg ist für Wanderer sehr gut ausgebaut. Viele Holzbrücken, Stege, Stufen und kleine Treppen, zum Teil mit Geländern sorgen für Gangbarkeit und notwendige Sicherheit. Dabei bleibt der Weg über möglichst weite Strecken naturbelassen, so dass die Schönheit der Schlucht erhalten bleibt.

Und auch hier ist unsere Erfahrung, dass das auch Kindern Spaß macht. Selbst wenn Wandern üblicherweise nicht in den Top 3 der beliebtesten Freizeitaktivitäten von Kindern steht, hier könnt Ihr sicherlich punkten.

Wir laufen gegen die Fließrichtung der Ravenna. Dementsprechend geht es nach oben. Es wird schon manchmal ein wenig anstrengend, ins Schwitzen kommen wir immer nur ganz kurz (im Sommer dürfte das anders sein 😉). Es ist wirklich gut zu schaffen. Nur die Wege, besonders die Holzstiegen, sind durch die Feuchtigkeit etwas rutschig. Also aufpassen!

Vorbei an der Großjockenmühle

Ungefähr bei km 4,5 kommen wir an der Großjockenmühle vorbei. Besonders interessant ist hier die Wasserführung: Es wird durch das Dach der Mühle auf das Mühlrad geleitet. Auch die Großjockenmühle ist am Deutschen Mühlentag in Betrieb. Lohnt sich also mindestens doppelt, am Pfingsmontag hierher zu kommen.

Vielleicht sollten wir erwähnen, dass wir uns hier auf dem Heimatpfad Hochschwarzwald befinden. Der Heimatpfad ist insgesamt 7,3 km lang und soll „die Wurzeln der Schwarzwälder Kulturgeschichte erleb- und sichtbar machen“ (Hochschwarzwald Tourismus GmbH). Den hätten wir natürlich auch gehen können. Beim nächsten Mal…

Mach mal Pause

Am Ende der Ravennaschlucht liegt das Haus Ketterer. Hier könnt Ihr eine kurze Pause einlegen, eine Kleinigkeit essen oder etwas trinken. Eis gibt es auch. Leider war heute geschlossen, so dass wir nicht berichten können, ob sich die Einkehr dort lohnt. Vor 10 Jahren haben wir da mit unseren Kindern draußen im Garten gesessen und Pause gemacht. Wir erinnern noch, dass es ganz gut war, wenn auch etwas heruntergekommen. Jetzt sieht es von außen viel gepflegter aus, als damals. Da muss auch einiges passiert sein. Falls Ihr im Sommer nach dem Aufstieg aus der Schlucht hier einkehrt, könnt Ihr sicher nicht viel falsch machen. Die Bewertungen im Netz sind gut. Aber Achtung: Bei Yelp zum Beispiel ist eine Verlinkung gesetzt, die aber zu einem falschen Haus Ketterer führt (da scheint es im Schwarzwald ziemlich viele zu geben – wir wohnen ja auch im „Gästehaus-Ketterer“).

Hinter dem Haus Ketterer folgen wir dem Weg, der eine Linkskurve macht. Dann biegen wir rechts ab in die Straße „Ravennaschlucht“. Schade eigentlich, dass wir schon wieder draußen sind aus der Schlucht.

Wir haben noch nicht genug

Das Wetter ist besser, als gedacht. Die Tour war einfacher, als erinnert. Deshalb beschließen wir, noch einen Abstecher über das Hinterzartener Hochmoor zu machen.

Wir laufen die Straße lang, bis wir am Ende auf den „Oberhöllsteig“ treffen. Links abbiegen und dem Weg folgen. Über „Am Rösslewald“ und „Am Rössleberg“ geht es über die Földi Klinik Richtung Hinterzartener Hochmoor. Ein Teil des Weges läuft am Waldrand entlang, parallel zur Bundesstraße. Der Abstand ist aber groß genug, wir zumindest fühlen uns nicht gestört. Linkerhand ist der Gasthof Lafette zu sehen. Früher konnte man da auch ganz gut einkehren. Der letzte Besitzer hat jedoch 2013 aus Altersgründen aufgegeben. Jetzt sollte das Ganze bereits umgebaut sein zu einem Museum mit Gastronomie und … Wir haben es leider nicht geschafft, nachzuschauen, wie weit das Ganze schon ist. Vielleicht weiß es ja jemand von Euch?

Die Fußgängerbrücke über die Bundesstraße zum Lafette ist unübersehbar. Aufgrund ihrer Form wird sie im Volksmund „d’Schneck“ genannt. Wieso? Guckt’s Euch einfach selbst mal an.

Ein alter Freund ist tot

Bevor wir in den Moorweg einbiegen, erinnern wir uns an einen ganz tollen Baum, der damals dort gestanden hat. Wir freuen uns darauf, ihn wieder zu sehen…

…und sind geschockt, als wir um die Ecke biegen.

Da steht er der Baum. Aber er ist tot. Die Äste abgesägt, nur noch der Stamm ist da.

Selbst wir als Laien sehen, dass der Baum morsch ist und teils hohl. Er war wahrscheinlich nicht mehr zu retten.  Traurig ist es trotzdem.

Wir durchforsten demnächst mal unsere alten Fotos und stellen zum Vergleich ein altes Bild ein.

Kontrastprogramm

Das Moor ist auf den ersten Blick gar nicht mal sooo spektakulär. Der Weg führt über einen breiten Holzsteg quer durch das Moor. Rechts und links des Weges erläutern Informationstafeln die Besonderheiten dieser Landschaft, die sich der Unwissenden nicht von allein erschließt.

Das ist hier wirklich gut und informativ gemacht.

Und wir erleben DAS Kontrastprogramm zur wilden Ravennaschlucht.

Hier ist es ruhig, flach, unscheinbar. Fast schon meditativ. Die Reize des Hochmoors muss man suchen, dagegen wirkt die Schlucht fast aufdringlich.

Skispringen: Geht auch ohne Schnee

Am Ende des Moorweges kommen wir hinten am Bahnübergang raus. Rechts liegt der Bauhof von Hinterzarten.

Von hier aus sehen wir die grünen Matten der Skisprungschanzen. Und wir entscheiden spontan: Da wollen wir heute auch noch rauf.

Gesagt, getan. Da es super steil nach oben geht, ist der Weg als Serpentine angelegt. Und trotzdem noch recht anstrengend. Lohnt sich aber. Es ist wirklich beeindruckend, hier nach oben zu kraxeln und dann mal den Blick zu wagen, den ein Skispringer vor dem Start hat.

Unglaublich. Würden wir uns nie wagen. Guckt es euch am besten selbst mal an!

Wir kommen wieder - keine Frage

Über die Sickinger Straße verlassen wir den Wald.

Wir laufen durch Hinterzarten und stellen fest, dass uns das noch genauso gut gefällt, wie vor Jahren. Zu schade,dass wir nicht mehr Zeit haben. Deshalb an dieser Stelle auch nur ein paar kurze Impressionen.

Vielleicht schaffen wir es ja in nächster Zeit, mal ein paar Tage  am Stück hier zu sein.

Auf zum Weihnachtsmarkt

Jetzt ist es dunkel, wir wollen den Weihnachtsmarkt und vor allem natürlich die Beleuchtung sehen, die wir bislang ja nur von Fotos kennen. Diese Bilder waren schließlich ausschlaggebend, dass wir gerade jetzt nach Hinterzarten gefahren sind.

Deshalb nutzen wir einen der kostenlosen Shuttle-Busse runter zur Ravennaschlucht. Zuerst sind wir erschrocken, als wir die Länge der Schlange sehen. Mindestens 150 Menschen stehen da schon. Aber dann geht es doch erstaunlich schnell. Die Busse kommen Schlag auf Schlag und wir sind ruck-zuck wieder im Hölltal angekommen.

Das ist alles wirklich gut organisiert und klasse gemacht. Die Fahrer achten auch darauf, dass die Busse nicht zu voll werden und ordern schnell einen weiteren Bus nach, wenn das notwendig scheint.

Das Gegenteil von 08/15

Der Eintritt zum Weihnachtsmarkt kostet 4 Euro. Ob das sein muss? Naja, vielleicht wird so der Shuttle-Verkehr refinanziert. Ist schon in Ordnung.

Die Beleuchtung ist wirklich wunderschön. Leider haben wir etwas Pech. Noch bevor wir alle Lichter bestaunen können, fällt der Strom aus und wir stehen fast im Dunkeln. Damit ist leider die besondere Atmosphäre dahin. Und wir konnten nur einige wenige Fotos machen.

Der Weihnachtsmarkt ist ein ganz besonderer. Wir bleiben zum Glück von Zuckerwatte & Co verschont. Stattdessen gibt es viele regionale Spezialitäten. Schinken (klar), aber auch Wild, Flammkuchen, Raclette und Schupfnudeln.

Und auch die netten kleinen Dinge, die man sich im Allgemeinen vom Weihnachtsmarkt mitbringt, stammen hier von Manufakturen oder Kunsthandwerkern der Region. „Billig-Schrott“ gibt es hier nicht.

Wir empfehlen diesen Weihnachtsmarkt uneingeschränkt.

Unser Tipp für den Besuch: Der Weihnachtsmarkt öffnet um 14 Uhr. Da ist es noch hell. Beste Zeit, um sich die Stände ganz in Ruhe und ohne Gedränge anzuschauen. Alles, was ihr kaufen wollt, jetzt kaufen. Dann entweder eine kleine Runde wandern, oder im Hofgut Sternen Kaffee trinken. Gegen 17 Uhr, wenn es langsam dunkel wird, wieder auf den Weihnachtsmarkt. Dann aber nur noch Beleuchtung, Glühwein und z.B. eine Wildschweinbratwurst genießen.

Einkehr im Holzschopf

Zurück in Hinterzarten kehren wir bei Franco ein. Er betreibt sein Ristorante „Zum Holzschopf“ dort seit über 30 Jahren. 

Obwohl das Restaurant bis auf den letzten Platz besetzt ist, begrüßt er uns freundlich. Keine 10 Minuten später bekommen wir einen Tisch am offenen Kamin. Unser Essen ist lecker, der Wein ist gut, alles bestens.

Ein guter Abschluss für diesen schönen Tag.

Eure Wanderanke

  • Startpunkt: Löffelthalweg, Hinterzarten
  • Wegbeschaffenheit: Wanderwege, Kies, Steine, Straße
  • Bei jedem Wetter möglich
  • Toiletten: am Hofgut Sternen u. Touristeninformation
  • Für Hunde geeignet
  • Für Kinder geeignet

Und sonst noch…

Am Ende unserer Tour seid Ihr in Hinterzarten an der Touristeninformation, von da könnt Ihr direkt in den kostenlosten Shuttlebus zum Weihnachtsmarkt steigen und ihn in seinem Lichterglanz genießen.